| BUCHZEICHEN
Medizin gegen
miese Laune
Peter Hunziker: Schwarzer Humor
gegen den grauen Alltag.
Vertonte Gedichte auf CD
Wenn Sie Papier lieben - Finger
weg von diesem Werk: Gedruckt gibt's nur gerade das
Inhaltsver-
zeichnis. Dafür aber noch eine Sil-
berscheibe, und die gehört in den
CD-Spieler. Ist sie dort drin, macht
sich Peter Hunziker um- gehend an die Arbeit. Er dreht diverse Drehorgeln und singt dazu
raben
schwarze Texte von Erich Kästner,
Fritz Grasshoff und Fridolin
Tschudi. Schon die Titel sprechen
Bände: «Ballade vom aufgegesse
nen Bein» oder «Moritat vom eis
kalten Gasan- staltsdirektor». Der friert und macht ein Feuerchen,
mit durch- schlagendem Erfolg:
«Das Feuer brannte schön und
war sehr weit zu sehn.» Hübsch
auch die «Ballade in Blau», wo ein
Porschefahrer mal so richtig Gas
gibt: «Er steigerte die Tourenzahl,
dann kam er in die Zeitung - und
dann ins Bezirksspital.» Verletzte
und Tote gibt's in den Liedern
zuhauf; passend dazu steht auf
der CD-Hülle: «Wer überlebt, hat
mehr vom Leben — darauf können
Sie Gift nehmend So ist es, und ge
nau deshalb machen die vertonten
Gedichte richtig Spass: Nichts ist
schöner als schwarzer Humor, vor
allem wenn er so charmant daher
kommt wie auf dieser CD. Für ein
mal also gilt: Wer nicht lesen will,
muss hören!
lü / Beobachter 17/96
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Mit 59 Jahren startet der Berner Bänkelsänger Peter Hunziker eine
neue Offensive. Und er hat Erfolg:
Seine CD «Schwarzer Humor gegen
den grauen Alltag» geht jetzt in die
zweite Auflage.
«Ich hatte als Künstler viele Erfolgs-
erlebnisse, aber nicht den ganz gros-
sen Erfolg», bilanziert Peter Hunzi-
ker spielerisch. Er erinnert sich -
doch mit ein wenig Wehmut - an die
Zeiten, als er bei seinen Auftritten
Säle füllte. Die ganz grosse Chance
habe er 1976 verpasst. Damals habe
für ihn Peter Reber im vollen Musi-
cafe «Shalimar» eine Musikkassette
produziert, «doch dann versandete
die Promotion schnell».
Vielleicht habe es ihm in der Vergangenheit immer an Risikobereitschaft, am letzten Zwick gefehlt:
«Ich wollte aus familiären Gründen
halt den sicheren Lehrerberuf nicht
aufgeben. Und irgendwie brauchte
ich neben der Kunst auch die Arbeit
mit den Kindern». Doch jetzt will
der 59jährige konsequenter sein.
Nächstes Jahr lässt er sich vorzeitig
pensionieren, «und dann möchte ich
noch einmal voll durchstarten». Am
liebsten würde er «von Auftritt zu
Auftritt durch ganz Europa ziehen, wie das die Bänkelsänger früher
üblicher- weise taten».
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Die erfolgreiche Basis für dieses
Unterfangen ist gegeben: Letztes
Jahr produzierte Hunziker im Eigen- verlag die CD «Schwarzer Humor gegen den grauen Alltag». Er
freut sich über das unerwartete Echo: «Es war ebenso überraschend wie das unerklärliche
(Ver-)Schweigen der Berner Medien. »
Die ersten 800 CDs sind nun ver
kauft, die zweite Auflage ist in Vor
bereitung (Bestellungen über Tel./
Fax 0313116064). «Wahrscheinlich
ist der schwarze Humor in Krisen-
zeiten ein kleiner Trost», schmunzelt
Peter Hunziker. Dem Absatz eh be-
hilflich waren zweifellos die positiven Kritiken in der «Schweizer
Illustrier- ten und im «Beobachter».
Hunziker adaptiert auf der Platte
bärbeissige Gedichte und Texte von
Autoren wie Emil Kästner, Wilhelm
Busch, Fritz Grasshoff und Fridolin
Tschudi. Die musikalische Unter-
malung seiner «schröcklichen Ge-
schichten erfolgt durch einer sei
ner vielen Drehorgeln. Dieses In-
strument findet der Bänkelsänger
(der auch gekonnt Gitarre spielt)
«sehr vielseitig und faszinierende
die Melodien programmiert er denn
auch selbst.
Lü
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