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Baenkelsaenger
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Peter Hunziker
Berner Moritaten- und Bänkelsänger
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AUS: DAS MECHANISCHE MUSIKINSTRUMENT NR. 72 (1998)
Wie so oft in unseren Kreisen wurde auch unser Schweizer Mitglied Peter Hunziker schon
als Kind von der Welt des Jahrmarkts, der Schaubuden und letztlich ganz besonders vom
Drehorgelmann mit seinem dressierten Äffchen fasziniert, und zum Örgelimann mit seinem
Äffchen entwickelte sich gar so etwas wie eine stille Liebe. Später, als er lesen
konnte, begann Peter sich für Gruselgeschichten zu begeistern und dann kam folgerichtig
irgendwann das Interesse an Schauerballaden hinzu. Natürlich musste er hin, als 1958 das
Bänkelsängerpaar Jandal Nötzold im Kleintheater "Rampe"
in Bern eine
Vorstellung gab. Der Auftritt der beiden wirkte auf Peter Hunziker wie ein Virus, wie ein
Erreger, der unweigerlich die "Krankheiten" "Moritatensucht" und
"Bänkelliederfieber" auslöste. Fieberhaft suchte der "Patient" in
Bibliotheken und Buchhandlungen nach neuem Stoff, las, sichtete und versuchte schliesslich
mit der Gitarre erste Vertonungen hinzubekommen und Songs einzuüben. Als das Ergebnis gut
und vorführtauglich war, wagte sich der waschechte Berner Moritaten- und
Bänkelliedersänger unters Volk, und ab 1970 hatte er unzählige Auftritte in
Kleintheatern und bei Open-Air-Veranstaltungen. Als Peter Hunziker 1972 in einem Museum
seine erste Drehorgel erwerben konnte, war der Grundstein für
eine private Sammlung gelegt, die sich schon bald durch Gelegenheitskäufe ergeben und
seine Wohnung in der Berner Tillierstrasse füllen sollte. Viel wichtiger war aber: Mit
dem Leierkasten liessen sich viele Bänkellieder und Balladen viel wirkungsvoller und
stilechter präsentieren, als mit der Klampfe. Natürlich waren nicht immer die
erforderlichen Stücke auf den vorhandenen Walzen oder Notenbändern zu finden, das war
aber kein grosses Problem, denn aus Papier und mit dem Japanmesser stellte Peter Hunziker
die benötigten Toninformationsträger kurzerhand selbst her. 1973 gründete er zusammen
mit Susi Aeberhard und Artur Gloor die Berner
Bänkelsänger, die in dieser Besetzung mit fünf verschiedenen Programmen bis 1980 in
vielen Kleinkunsttheatern der Schweiz auftraten. Später formierte sich die Gruppe neu,
und zwischen 1984 und 1994 traten Dorothea Walter (siehe Porträt in Heft Nr. 65), Peter
Steiger, Kurt Frauchinger und Peter Hunziker mit immer wieder neuen Programmen im In- und
Ausland auf. In dieser Zeit entstand (nach der MC Moritaten und
Bänkelballaden von 1980 und der MC Moritaten, Drehorgeln und Spieldosen von 1983)
1989
eine gemeinsame MC mit dem Titel "traurig- aber wahr" und 1991 wurde die Gruppe
in Deutschland als Teilnehmer am Schwetzinger Sängerwettstreit, an dem sich vor allem
Chansoniers und Liedermacher beteiligten, mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Die Beschäftigung mit Moritaten brachte Peter Hunziker naturgemäss auch dazu, sich in
den Bannkreis von Schriftstellern wie Brecht, Grasshoff, Kästner, Mühsam, Tucholsky und
Wedekind zu begeben, die den Stil der Moritat bewusst als Mittel ihrer Kunst einsetzten
und somit auf ihre Art ein Stück Moritatenkultur im 20. Jahrhundert weiterpflegten. Und
wenn gar, wie bei Fridolin Tschudi (1912-1962), sich der Schalk und das gütige Lächeln
mit schwarzem Humor vermischen, dann beglückt dies Peter Hunziker ganz besonders, und bei
seinen Zuhörern kam er mit dieser besonderen Mischung immer gut an. Was lag also näher,
als nach dem Ende der "Berner Bänkelsänger"-Ära 1996 mit einem neuen
Soloprogramm unter dem Motto "Schwarzer Humor gegen den grauen Alltag"
zu starten, das dann
auch recht gut aufgenommen und von der Presse positiv kommentiert wurde:
Schmunzelnd verabreicht der Bänkelsänger eine geistvolle und angenehme Medizin, deren
Nebenwirkungen den eigenen Verstand anregen. Es erwartet Sie ein unterhaltsamer
tiefsinniger und heilsamer Abend. Hunzikers Sprechgesang ist ungeschliffen genug, um den
Charakter der Texte zu erhalten und lebhaft genug, um das Zuhören vergnüglich zu machen.
Letztere Wirkung wird von den so originellen wie auch originalen Instrumenten noch
unterstrichen. Wer nicht lesen will, muss hören! (Beobachter und Stehplatz, Sept.1996)
Durch das begeisterte Publikum und solche Pressereaktionen ermutigt, wagte es Peter
Hunziker eine CD mit 28 Liedern (begleitet auf 10
verschiedenen Instrumenten) aus seinem neuen Programm im Eigenverlag herauszugeben und
unters Volk zu bringen. Er hat dieses Risiko überlebt und in nur einem Jahr schon 1000
seiner CDs verkauft. Und wenn Peter Hunziker Mitte Juli in die Niggelerstrasse umgezogen
ist (siehe Kasten Änderung der Mitgliederliste am Anfang dieses Journals), dann hofft er,
dass ihn seine Fans und alle, die noch zu seiner Fangemeinde hinzustossen möchten, ihn
dort finden und für 25 SFR oder 30 DM "schwarzen Humor gegen den grauen Alltag"
ordern möchten.
(Anm. Neue Adresse siehe Kontakt!)
In Überlebensfragen und schwarzem Humor hat Peter Hunziker offensichtlich reichlich
Erfahrung, jedenfalls klingt sein Wort ans Publikum, das er an den Rand des CD-Booklets
schrieb, absolut überzeugend:
"Wer überlebt, hat mehr vom Leben - darauf können Sie Gift nehmen!"
AUS: DAS MECHANISCHE MUSIKINSTRUMENT NR. 72 (1998)